Sensibilisierung
Sensibilisierung ist die Ausscheidung von Chromcarbiden (Cr23C6) an Korngrenzen, wenn Edelstähle oder Nickellegierungen beim Schweißen, bei der Wärmebehandlung oder im Betrieb bei 425–850°C gehalten werden. Die Carbide entziehen dem umgebenden Grundwerkstoff Chrom und erzeugen verarmte Zonen unterhalb von 12 % Cr, die den Passivfilmschutz verlieren und anfällig für interkristalline Korrosion werden. Gegenmaßnahmen: Verwendung kohlenstoffarmer Güten ('L'-Güten mit <0,03 % C, z. B. 316L), stabilisierter Güten mit Ti oder Nb, oder Lösungsglühen nach der Belastung.
Spaltkorrosion
Spaltkorrosion tritt in beengten Räumen auf, in denen der Elektrolyt stagniert und sauerstoffarm wird. Bei Verbindungselementbaugruppen sind typische Stellen unter Schraubenköpfen, zwischen Mutter- und Flanschflächen und in Gewindelöchern. Der sauerstoffarme Spalt wird anodisch und bildet eine Konzentrationszelle mit beschleunigter Auflösung. Der pH-Wert im Spalt sinkt (Ansäuerung), was den Angriff weiter beschleunigt. Spaltkorrosion ist aggressiver als Lochfraß und tritt bei niedrigeren Temperaturen ein. Legierungen mit hohen PREN-Werten widerstehen ihr besser; Super Duplex 2507 (PREN ≥42,5) übertrifft Standardgüten.
Spannungsrisskorrosion (SCC)
Spannungsrisskorrosion ist die Bildung und das Wachstum von Rissen unter gleichzeitiger Zugspannung und einer spezifischen korrosiven Umgebung. SCC erfordert drei Bedingungen: einen anfälligen Werkstoff, ein spezifisches korrosives Medium und eine anhaltende Zugspannung. Risse breiten sich interkristallin oder transkristallin aus und verursachen plötzliches Sprödversagen deutlich unterhalb der nominellen Zugfestigkeit. Bei Verbindungselementen ist SCC besonders kritisch für austenitische Edelstähle in Chloridumgebungen (oberhalb 60°C für 316L) und für Kohlenstoffstähle im H2S-Betrieb gemäß NACE MR0175/ISO 15156. Legierungen wie Inconel 625 und Hastelloy C-276 sind immun gegen Chlorid-SCC.